"Das Geschenk eines Regentages" von Naruki Nagakawa

Diesen Roman zweier japanischer Autoren nahm ich an einem verregneten Frühjahrssonntag zur Hand. Was für ein passender Titel, dachte ich. Um dann zu begreifen, dass es nicht im eigentlichen Sinn um einen konkreten Tag, nämlich meinen nieseligen, trüben Schauertag, geht, sondern um eine besondere Gemeinschaft von Mensch und Tier in Japan. Hier kümmert sich eine Gemeinschaft, bestehend aus verschiedenen Katzen und Hunden um Menschen. Titelgebend ist ein kleines halbverhungertes Katerchen, das von Miyu, einer jungen Japanerin, völlig durchnässt draußen im Regen aufgelesen und angenommen wird. Sie nennt den Kater Chobi, ihr besonderes Geschenk an einem Regentag.
Dieser Chobi ist die lose Hauptfigur in diesem Reigen, der aus verschiedensten Perspektiven erzählt wird. Zum einen geht es um die Menschen dieser Tiere, in ihren Lebenswelten mit Einsamkeit, verpassten Chancen, erhofften Lieben, Krankheiten und Tod, zum anderen um die der dazugehörigen Tiere, die versuchen,  "ihren" Menschen das Leben erträglich zu machen. Die Katzen und Hunde weden als sehr unterschiedliche und weise Individuen eingeführt und haben jeweils ein nach Alter und Temperament verschieden geprägtes, autarkes Leben. Sie wissen sehr genau, was ihren Menschen fehlt. Wem welche Begebenheit gut tun würde und wer schon lange nach etwas bestimmten sucht. Die Tiere tauschen sich untereinander aus und helfen sich auch gegenseitig aus schwierigen und bedrohlichen Situationen. Dabei beziehen sie die Menschen immer mit ein, ja, sie sorgen sogar dafür, dass sich alles zum guten Ende fügen kann.
Der Roman hat etwas Märchenhaftes, da die Menschen von der großen Weisheit ihrer Tiere profitieren, bzw. liest er sich wie eine schöne und zarte Utopie, in der Menschen und Tiere eine tiefe und innige Verbindung haben.
Ich kann nur sagen, mein Regennachmittag war gerettet.

Sabine Janßen, Filialleiterin Thalia Nürnberg
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